Faizah in Kerak

Wir sind zu Besuch bei Faizah in Kerak, Jordanien. Faizah ist 22 Jahre alt und erwartet ihr zweites Kind. Sie stammt eigentlich aus Damaskus und ist im November 2012 mit 18 Jahren von dort geflohen. Ihr Mann sei Statiker in Damaskus gewesen und hätte Ingenieurwesen studiert. Heute muss er im Restaurant um die Ecke den Unterhalt für die Familie verdienen.

Faizah wohnt mit ihren Schwiegereltern zusammen in einem sehr schönen Haus nahe des Zentrums. Ihre Schwiegereltern sitzen mit uns im Raum und hören gespannt unseren Fragen zu. Faizah fühlt sich sehr wohl hier in Jordanien, sagt sie. Sie habe auch jordanische Freunde und auch die Nachbarn seien unheimlich nett. Sogar der Vermieter wäre sehr verständnisvoll.

Faizahs Schwiegervater zeigt uns Röntgenaufnahmen. Er hat mehrere Bandscheibenvorfälle und kann nicht mehr arbeiten. Jetzt muss Faizahs Mann für alle finanziell sorgen. Die Familie schaut uns erwartungsvoll an. Meine Übersetzerin sagt ihnen, dass wir für ihn beten werden. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Sie hatten anscheinend gehofft, dass wir ihnen irgendwie helfen können.

© Alea Horst. Jordan, 2016.

Faizahs erste Tochter, etwa 3 Jahre alt, kommt herein. Stolz erzählt uns ihre Mutter, dass sie mal Ärztin werden soll. Wie bei vielen anderen hier in Jordanien, setzen alle ihre ganze Hoffnung in eine gute Zukunft auf den Schultern ihrer Kinder. Als ich Faizah nach ihrem Tagesablauf frage sagt sie: aufstehen, essen, schlafen. Ihre Schwiegermutter lacht und fügt hinzu, dass es bei ihr ähnlich sei, sie würde noch das Essen zubereiten und Faizah beim Schlafen zuschauen. Wir lachen zusammen, das war schlagfertig.

Faizahs Familie lebt noch in Syrien. Ab und an würde sie mit ihnen über Whatsapp kommunizieren, wenn die Leitung funktioniert. Sie höre dann im Hintergrund oft die Geräusche vom Krieg, die Bomben, die in gut 10 km Entfernung einschlagen. Ihr größter Wunsch ist es, nach Syrien zurückzugehen wenn Frieden sei. Sie vermisse ihre Familie.

Wie sie sich selbst ihre eigene Zukunft vorstellt, kann sie nicht sagen, außer, dass sie eben im Sommer nächsten Jahres ihr zweites Kind bekommen wird. Wir sprechen über das geplante Vision-Hope Nachmittagsprogramm. Es geht darum Frauen wie Faizah eine Aufgabe zu geben, sie mit anderen Frauen zusammen zu bringen und ihnen neue Fertigkeiten beizubringen. Es sind Workshops geplant, das Erlernen von Handarbeiten, Kochen und vieles mehr. Als wir ihr von Make-Up und Frisier-Workshops erzählen leuchten ihre Augen. Das sei genau das richtige für sie, sagt sie.

© Alea Horst. Jordan, 2016.

Vision Hope arbeitet an der Planung von Familienzentren an den Standorten Mafraq und Kerak in Jordanien. Am Nachmittag sollen therapeutische-, schulische- und kreative Bildungsangebote für Frauen und Kinder stattfinden. Im Laufe der letzten Interviews mit den Frauen sehe ich immer mehr, wie notwendig diese Projekte für die Frauen hier in Jordanien sind. Ich hoffe von Herzen, dass Vision Hope hier weiterhin langfristig so einen guten Beitrag leisten kann.

Ehrenamt in Jordanien. Fotos und Text © Alea Horst für Vision Hope International.
Im Oktober 2016 besuchte Alea Jordanien. Von dort schickte sie uns Bilder und Geschichten, die wir hier in einer Serie von zehn Artikeln teilen werden. In Jordanien, diesem warmen, einladenden arabischen Reich sind 89 von 1000 Einwohnern Flüchtlinge, dies sind ihre Geschichten.

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